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ich. die. wir.

Am 9. Oktober 1989 demonstrierten weit über 70.000 Menschen auf dem Leipziger Ring gegen die SED-Diktatur und zeigten damit eindrucksvoll, dass ihr Freiheitswille stärker war als die Angst vor Repressionen, staatlicher Gewalt und drohendem Schießbefehl. Sie leiteten mit dieser mutigen Tat die Friedliche Revolution auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ein und legten den Grundstein für die umfassende Demokratisierung unserer Gesellschaft und die deutsche Wiedervereinigung in einem geeinten Europa.

Seitdem ist der 9. Oktober als „Tag der Friedlichen Revolution“ der zentrale Termin des Erinnerns an diesen gesellschaftlichen Aufbruch in Leipzig und wird auch im Jahr 2018 wieder mit drei bewährten Veranstaltungen gewürdigt: dem Friedensgebet, der Rede zur Demokratie sowie dem Lichtfest Leipzig.

Uns alle bewegen die zum Teil beunruhigenden gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Zeit, der Verfall demokratischer Werte und die grundsätzliche Infragestellung der Staats- und Lebensform Demokratie in der Welt, aber auch in der Mitte Europas – und in Deutschland. Der respektvolle Umgang der Menschen miteinander, die offene politische Debatte und das gemeinsame Ringen um Lösungen verlieren an Relevanz oder werden von einem wachsenden Teil der Bevölkerung vollständig verweigert. Vor diesem Hintergrund kommt dem Einstehen für die wesentlichen Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenhalts: gegenseitige Achtung, Teilhabe, demokratische Streitkultur und Bereitschaft zum Perspektivwechsel ganz besondere Bedeutung zu. Für die Auseinandersetzung mit diesen Grundlagen steht unser diesjähriges klares, kraftvolles und forderndes Motto: ich. die. wir.

Zwar war die gesellschaftliche Situation im Herbst 1989 eine vollkommen andere als heute, jedoch zeigt die Friedliche Revolution, dass aus dem Wunsch vieler einzelner nach Pressefreiheit, Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit und Mitbestimmung eine Bewegung entstehen kann, die die Gesellschaft grundlegend verändert. Die Menschen auf den Straßen und später an den Runden Tischen haben ihre Unmündigkeit abgelegt und sind handelnde Personen geworden. Sie haben damit Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Bürgerrechte erkämpft. Sie haben gemeinsam ein neues „wir“ gestaltet.

In diesem Sinne ist die Friedliche Revolution nicht nur ein geschichtliches Ereignis, das 29 Jahre zurückliegt, sondern ebenso ständige Aufforderung zur Gestaltung unserer demokratischen Gegenwart. Möge das Lichtfest 2018 in Zeiten des globalen Umbruchs eine breite, vielfältige und tiefe gesellschaftliche Debatte befördern und die Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart der Demokratie in unserem Land bereichern.

Michael Kölsch
Sprecher der Initiative „Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober“

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