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Aufbruch – Verantwortung – Offenheit

Leipzig, 9. Oktober 1989: Weder ein drohender Schießbefehl noch die von der SED-Führung begrüßte blutige Niederschlagung der Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking wenige Wochen zuvor hielt die Menschen davon ab, friedlich gegen das DDR-Unrechtsregime und für ein offenes Land mit freien Menschen einzutreten. Mutig stellten sie sich mit den Rufen „Wir sind das Volk!“ und „Keine Gewalt!“ der bewaffneten Staatsmacht entgegen. Als Zeichen der Gewaltlosigkeit trugen viele in der einen Hand eine Kerze und schützten deren Flamme mit der anderen. Und sie waren erfolgreich. Der friedliche Demonstrationszug um den Leipziger Ring der mehr als 70.000 Menschen aus allen Teilen der damaligen DDR zwang das Regime in die Knie und bereitete in der Folge den Weg zur Wiedervereinigung beider deutscher Staaten.

Die Ereignisse vor 28 Jahren waren der Beginn einer dramatischen Veränderung der damaligen Welt. Der Aufbruch der Menschen in die neue Zeit war getragen von Neugier und Optimismus. Aber die nach 1989 entstandene neue Weltordnung war und ist nicht perfekt und nicht statisch. So zeigt der US-amerikanische Regierungswechsel zu Beginn dieses Jahres, dass sicher geglaubte Gewissheiten schnell zur Disposition stehen können.

Die nach 1989 in den Staaten Ostmitteleuropas starke proeuropäische Haltung stößt heute in weiten Teilen ihrer Regierungen auf eine autoritäre und nationalistische Politik. Die Erosion der Demokratie in der Türkei und die weltweiten Angriffe auf die Pressefreiheit treiben uns ebenso um wie die Frage nach der Tragfähigkeit unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, der Stabilität der Demokratie in ihrer jetzigen Form oder dem Umgang mit dem weltweiten Terrorismus. Die historische Erfahrung, dass sich Zivilcourage und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, lohnen und gewaltlose Veränderungen möglich sind, pflanzt sich nicht automatisch von Generation zu Generation fort. Der Generationswechsel zum einen, aber auch die momentane Unwucht unserer Welt und nicht zuletzt die Zunahme ethnischer und religiöser Pluralität fordern von uns, immer wieder zu erklären, warum die Erfahrungen von 1989 auch und gerade heute für unser Zusammenleben bedeutsam sind.

Sich in Stille des Herbstes 1989 zu besinnen, die Bilder, Gerüche, Geräusche, Episoden von damals in Erinnerung zu rufen, auch dazu wollen die Veranstaltungen rund um den 9. Oktober die Besucher einladen. Aber vor allem wollen sie ermutigen, sich heute zu engagieren und mit Leidenschaft für die Werte der Friedlichen Revolution einzutreten. Denn mit den Herausforderungen unserer Zeit umzugehen oder sich Unrecht zu widersetzen, kann nicht alleine Aufgabe der Politik sein. Vielmehr ist heute, wie im Herbst 1989, vor allem die Zivilgesellschaft auf- gefordert, sich einzumischen, sich zu empören (Stéphane Hessel), den Finger auf die zahlreichen Wunden unserer Zeit zu legen und in Offenheit für notwendige Veränderungen zu kämpfen. Möge diese in Zeiten des globalen Umbruchs so wichtige Botschaft am 9. Oktober 2017 von Leipzig ausgehen.

Michael Kölsch, Sprecher der Initiative „Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober 1989“

Zum Download vom Programmheft zum Herbst'89 2017.

Informationen zu den Veranstaltungen 2017

 

 

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